Der Job als professioneller Dogwalker

Der Job als professioneller Gassi-Geher / Dogwalker

Januar 2019

 

„Ach, das ist ja ein toller Job. Stelle ich mir richtig schön vor. Entspannt mit den Hunden laufen und dafür noch Geld kriegen. Ihren Job möchte ich gerne machen.“ Wer von meinen Kollegen kennt diesen Satz nicht? Wer von uns denkt sich dann immer „Na, wenn das alles wäre!“

 

Ich möchte hier mal aus meiner Sicht schreiben wie der Gassi-Service abläuft und was alles dahinter steckt.

 

Manchmal habe ich auch noch Katzen in der Betreuung, sodass ich morgens also noch eher los fahre um die Tiere ordentlich zu versorgen und mit Ihnen zu agieren.

 

Zwischendrin kommen schon die ersten Anrufe, SMS oder Emails, die ich innerhalb meiner Dienstzeit nicht beantworten kann, da die Zeit bis zum Mittag für meine Betreuungstiere reserviert ist und das ist mir auch sehr wichtig.

 

Nun beginne ich die ersten Hunde abzuholen, heißt Parkplatz finden, Schlüssel suchen, Hund anziehen, ggf. noch kurz mit dem Halter reden, wenn er da ist (manchmal wird es auch ein längeres Gespräch) und dann geht’s so weiter bis ich alle Hunde eingesammelt habe.

 

Alle Hunde sind eingesammelt. Jetzt geht’s los in den Wald. Die Hunde merken genau wann wir im Wald sind und werden dementsprechend unruhig. Sie freuen sich ja auch, dass es nun los geht.

 

Jetzt geht’s los. Welchen Hund hole ich zuerst aus der Box? Welchen Hund kann ich mit welchem zusammen an die Leine machen? Wer kann nicht so gut warten und muss als Letztes aus der Box geholt werden? Welcher Hund muss super dringend? Kann ich ihn hier schon kurz laufen lassen? Welcher Hund braucht noch was zu Kauen bis wir los gehen können, damit er nicht zu sehr hochfährt?

 

Nebenbei suche ich also auch alle Leckerlis raus, packe die Tasche mit den Schleppleinen, weil ja nicht jeder frei laufen kann und ich an manchen Tagen viele Schleppleinenhunde mit habe, dann muss ich die Umwelt gleichzeitig beobachten sprich kommen andere Hunde/Menschen/Tiere? Wie sind die Hunde heute drauf? Wen habe ich heute dabei? Worauf muss ich bei jedem einzelnen Hund achten? Ist heute im Wald viel los? Gehen wir heute die Runde oder die Runde?

 

Nachdem ich alles geplant habe, was ich ja oft auch schon im Auto überlege, geht’s los. Ich habe 8 oder 10 Hunde an der Leine, alle aufgeregt, alle wollen gleich frei laufen. Die ersten müssen sich schon lösen.

 

Wir gehen weiter angeleint, ich scanne die Umgebung, kenne meine Hunde und die Gebiete wo wir laufen sehr gut. Ich leine den ersten Hund ab, den zweiten, den dritten und zum Schluss werden alle Schleppleinenhunde umgeschnallt. Jetzt muss ich noch alle Schleppleinen an meinem Bauchgurt festmachen oder in der Hand halten. Nun verheddern sich einige Hunde, weil sie um einen Baum gelaufen sind, also wieder alles ab machen und weiter geht’s.

 

Zwischendurch scanne ich mit Adleraugen die Umgebung, schaue, dass ich keinen Hund verliere, zähle alle durch.

 

Natürlich ist das nicht alles, denn hier und da läuft ein Hund zu weit vor, einer bleibt weiter hinten. Ich rufe, der Hund kommt angerast, ich belohne alle und es geht weiter. Nun übe ich immer wieder an der Umorientierung, d.h. ich übe so gut den Namen ein, dass die Hunde sich sofort zu mir begeben. Alternativverhalten für den Notfall wie „Touch“ (Nase an meine Hand) wird auch geübt. Ein Ende-Signal für die Schleppleinenhunde nicht vergessen, damit keiner in die Leine rein brettert.

 

Zwischendurch machen wir kleine Spiele. Ich übe das Anleinen für den Notfall, übe Begrüßungen mit anderen Menschen (auch wenn keine da sind *gg*), übe den Rückruf gerade bei Neulingen bis ich mir sicher bin, dass die Schleppleine weg kann (außer bei Jagdtrieb). Zwei Hunde spielen miteinander, herrlich, ich mag das. Könnte ich stundenlang zusehen. Ach je, ich muss ja auch die anderen bespaßen, damit die nicht stören oder maßregeln wollen. Gut, also werfe ich „Kamelle“ (kleine Futterstücke zum Suchen), für die Hunde, die bei mir sind und die anderen können in Ruhe weiterspielen.

 

Weiter vorne sehe ich Spaziergänger. Okay, Hunde alle sammeln, ran rufen und anleinen. Hunde in meine Aufmerksamkeit holen also ansprechen und belohnen. Jeden einzelnen. Einige gucken natürlich schon wieder, weil der Keks schon runter ist. Die Hunde, die mehr Probleme haben, dürfen was Lecken. Ich hole die Futtertube raus, lasse sie lecken.

 

Ich begrüße die Spaziergänger freundlich, oft fragen die Leute noch was und wir reden kurz. Dabei muss ich mich auf meinen Hunde konzentrieren, weiter belohnen, schauen wer noch klar kommt, wer nicht und mich mit den Leuten auseinander setzen.

 

Die Leute gehen weiter und ich kann die ersten Hunde los machen. Natürlich muss ich wieder darauf achten wen ich zuerst los machen kann, damit nicht einer aus der Bande hinter den Leuten her rennt.

 

Wir laufen entspannt weiter. Nun sehe ich auch noch einen Menschen mit Hund. Der Weg ist recht eng. Ich belohne die Hunde fürs Gucken und „Nicht-Hinrennen“ und leine die Ersten an, die eben nicht so viel Impulskontrolle aufbringen können. Ich rufe dem Besitzer nett zu, dass ich alle anleine und es einen Moment dauert.

 

Gesagt, getan. Alle Hunde angeleint, ich gehe den Weg wieder etwas zurück um dem Team Platz zu machen. Wieder hole ich die Hunde in meine Aufmerksamkeit, sie schauen zum Hund, zu mir, es wird belohnt. Oft schauen die Hunde mich schon selbst sofort an, wenn sie einen Hund sehen! Ja, das war viel Arbeit. Nachdem der Hund weg ist, leine ich wieder alle ab. Vorher bedanke ich mich noch beim Halter für das Warten. Gehört ja zum guten Ton.

 

Jetzt stehen heute auf der Wiese auf einmal wieder Rinder! Einige Hunde erschrecken sich und wissen nicht, was sie tun sollen. Also muss ich auch hier wieder beruhigen und managen. Ich lasse die Hunde nie alleine und auch nie in ihrer Angst! Sie bekommen immer Hilfe von mir. Deswegen fühlen sie sich sicher bei mir und vertrauen mir in so vielen Situationen.

 

Wenn wir am Wasser sind und die Hunde baden gehen, kommen plötzlich mehrere Kanu-Fahrer. Einige Hunde reagieren sofort darauf, gerade die Neulinge und bellen oder wollen flüchten. Ich reagiere sofort z.B. mit „Kamelle“ oder anderen konditionierten Signalen, die die Hunde als gut empfinden und können sich wieder entspannen. Am besten ist es natürlich immer, dass ich jeden Auslöser vor meinen Hunden sehe um rechtzeitig zu reagieren, was aber nicht immer klappt egal wie gut ich die Umwelt im Auge habe.

 

Und damit es spannend bleibt, muss ich immer auf Wildtiere achten, die gerne mal unseren Weg kreuzen oder kurz vor uns gekreuzt haben (Reaktion der Hunde ist immer eindeutig) und auch hier wieder beobachten, arrangieren, helfen, umlenken.

 

Ich beschäftige mich wahnsinnig viel mit den Hunden auf den Spaziergängen. Mir ist es wichtig, dass gerade der Rückruf gut klappt, denn das ist für mich das A und O für den Freilauf. Daher wird auch das immer sehr hochwertig belohnt. Ich arbeite mit den Hunden unterwegs damit ich die Bande gut gehändelt bekomme und eben nicht groß „auffalle“, da ich ja eh immer schon kritisch beäugt werde, wenn ich mit der Gruppe unterwegs bin.

 

Viele meiner Gassihunde hören bei mir sogar besser als beim Besitzer. Ich habe aber auch den Gruppenzwang als Bonus. Wenn einer kommt, kommen oft eben alle angeflitzt.

 

Trotz all der Vorsicht gibt es natürlich auch bei mir immer mal Tage, wo es nicht so rund läuft oder ich was nicht mitbekomme. Auch ich habe mal schlechte Tage, weniger Impulskontrolle aber im Großen und Ganzen hatte ich noch nie Schwierigkeiten oder ernsthafte Probleme in all den Jahren gehabt.

 

Okay, wenn jemand seinen Hund in meine angeleinten Hunde rennen lässt (trotz meines Hinweises), ist es auch für mich schwieriger oder wenn ein Neuling sich aus dem Geschirr windet und einem fremden Hund hinterher rennt oder die Schleppleine sich doch mal gelöst hat und der Hund plötzlich los rast… Ja, auch ich bin nicht perfekt, aber meine Hunde sind auch keine Maschinen. Ich tue mein Bestes und arbeite deswegen extra mit ihnen, damit alles soweit gut klappt. Gerade bei Neulingen ist es anfangs immer noch mal was schwieriger als bei den „Alteingesessenen“. Und auch den Grad zwischen trainieren und die Hunde einfach mal Hund sein lassen, ist nicht immer einfach.

 

Jetzt kann man sagen: Selbst gewähltes Elend! Da haben Sie Recht! Aber ich kann mir bei Weitem nichts Schöneres vorstellen und das macht ja auch den Reiz aus.

 

Ach ja, die Katzenbetreuung habe ich jetzt mal ausgelassen und wie mein Tag nach dem Gassi-Service dann mit Hundetraining, Erstgesprächen und und und weitergeht. Vielleicht schreibe ich dazu noch mal separat was.

 

Natürlich nehme ich auch als ausgebildete Hundetrainerin eben keine paar Euro sondern ich leiste viel mehr als sich so mancher denkt und deswegen koste ich eben auch was mehr als ein Schüler oder Anfänger.

 

Ihre Nicole Müller

Solinger-Pfoten.de

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